Energy Sharing Communities (ESC) – lohnt sich das Teilen von Solarstrom mit Nachbarn wirklich?
- vor 5 Tagen
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Seite Juni 2026 können Nachbarn in Deutschland gemeinsam Solarstrom nutzen. Erfahre, wie Energy Sharing Communities (ESC) funktionieren und ob sie sich lohnen.
Seit dem 1. Juni 2026 ist Energy Sharing in Deutschland offiziell möglich. Besitzer einer Photovoltaikanlage dürfen ihren überschüssigen Solarstrom nun nicht mehr ausschließlich ins öffentliche Netz einspeisen, sondern ihn auch gezielt mit Nachbarn, Freunden oder anderen Mitgliedern einer Energiegemeinschaft teilen.
Die Idee klingt überzeugend: Statt den Strom für rund acht Cent pro Kilowattstunde einzuspeisen, könnte der Nachbar ihn deutlich günstiger beziehen als vom klassischen Stromversorger – und beide Seiten profitieren.
In der Praxis zeigt sich jedoch: Das neue Gesetz schafft zwar endlich den rechtlichen Rahmen, wirtschaftlich attraktiv ist Energy Sharing derzeit nur in bestimmten Fällen. Wir zeigen dir, was sich geändert hat, welche Voraussetzungen erfüllt werden müssen und für wen sich Energy Sharing heute tatsächlich lohnt.
Was hat sich seit Juni 2026 geändert?
Bis Ende Mai 2026 war Energy Sharing in Deutschland praktisch nicht möglich.
Seit dem 1. Juni dürfen sogenannte Energy Sharing Communities (ESC) gegründet werden. Mehrere Personen können gemeinsam eine oder mehrere Photovoltaikanlagen nutzen und den erzeugten Strom untereinander verteilen.
Dabei gelten einige Voraussetzungen:
alle Teilnehmer befinden sich im Netzgebiet desselben Verteilnetzbetreibers
alle Teilnehmer benötigen ein Smart Meter
zwischen den Mitgliedern wird ein Belieferungsvertrag abgeschlossen
eine IT-Plattform übernimmt Bilanzierung und Abrechnung
auch bestehende PV-Anlagen können eingebracht werden
Ab 2028 soll Energy Sharing auch netzgebietsübergreifend möglich werden.
Energy Sharing funktioniert kaufmännisch – nicht über ein eigenes Stromkabel
Ein häufiger Irrtum ist, dass der Solarstrom direkt vom Dach des Nachbarn ins eigene Haus fließt.
Tatsächlich bleibt das öffentliche Stromnetz vollständig erhalten. Der Strom wird physikalisch wie bisher eingespeist und entnommen.
Neu ist lediglich die kaufmännische Zuordnung.
Produziert deine PV-Anlage beispielsweise mittags mehr Strom als du selbst benötigst, kann dieser Überschuss rechnerisch deinem Nachbarn zugeordnet werden. Dafür schließen beide Parteien einen entsprechenden Vertrag ab.
Wie viel Geld lässt sich wirklich sparen?
Genau hier wird es spannend.
Viele hoffen, dass sie ihren Solarstrom künftig deutlich teurer verkaufen können als über die Einspeisevergütung und gleichzeitig der Nachbar günstigen Strom erhält.
Ganz so einfach ist es allerdings nicht.
Beispiel
Anlagenbetreiber:
Einspeisevergütung: 7,8 Cent/kWh
Nachbar:
Strompreis: 40 Cent/kWh
Davon entfallen allerdings rund 24 Cent auf:
Netzentgelte
Steuern
Umlagen
Diese Kosten bleiben auch beim Energy Sharing bestehen.
Dadurch entsteht nur ein relativ kleiner wirtschaftlicher Spielraum.
Realistisch könnte der Strom beispielsweise für 10 bis 14 Cent je Kilowattstunde gehandelt werden.

Dann profitieren beide Seiten:
Der Anlagenbetreiber erhält mehr als über die Einspeisevergütung.
Der Nachbar zahlt deutlich weniger für den eigentlichen Energieanteil seines Stroms.
Allerdings müssen hiervon häufig noch die Kosten eines Dienstleisters abgezogen werden, der Abrechnung und Organisation übernimmt.
Der tatsächliche finanzielle Vorteil fällt deshalb meist geringer aus als viele zunächst erwarten.
Warum Energy Sharing heute noch nicht richtig durchstartet
Obwohl das Gesetz nun gilt, rechnen viele Experten zunächst nicht mit einem Boom.
Dafür gibt es mehrere Gründe.
Smart Meter fehlen vielerorts
Jeder Teilnehmer benötigt einen intelligenten Stromzähler.
Der Rollout läuft zwar bereits, viele Haushalte verfügen aktuell jedoch noch nicht über ein Smart Meter.
Zusätzlicher organisatorischer Aufwand
Eine Energiegemeinschaft benötigt:
Verträge
Abrechnung
IT-Plattform
Bilanzierung
Dienstleister
Für zwei Nachbarn ist dieser Aufwand oft unverhältnismäßig hoch.
Keine günstigeren Netzentgelte
Der größte Unterschied zu Österreich: Dort zahlen Energiegemeinschaften reduzierte Netzentgelte, wenn der Strom lokal genutzt wird.
In Deutschland fallen dagegen weiterhin nahezu die normalen Netzentgelte an.
Genau deshalb ist der wirtschaftliche Vorteil bislang deutlich kleiner.
Für wen lohnt sich Energy Sharing heute bereits?
Trotz der aktuellen Einschränkungen gibt es Anwendungsfälle, in denen Energy Sharing bereits interessant sein kann.
Besonders geeignet ist das Modell für:
Kommunen mit mehreren öffentlichen Gebäuden
Wohnquartiere
Genossenschaften
Mehrfamilienhäuser
größere Nachbarschaftsprojekte
Hier verteilt sich der organisatorische Aufwand auf viele Teilnehmer und der Eigenverbrauch steigt deutlich.
Für einzelne Nachbarn mit einer einzelnen PV-Anlage ist der finanzielle Vorteil dagegen derzeit häufig noch überschaubar.
Besonders interessant nach Auslaufen der EEG-Vergütung
Ein Bereich dürfte in den kommenden Jahren deutlich an Bedeutung gewinnen.
Immer mehr Photovoltaikanlagen fallen nach 20 Jahren aus der EEG-Förderung heraus.
Dann entfällt die garantierte Einspeisevergütung weitgehend.
Gerade diese Betreiber könnten ihren Strom künftig deutlich sinnvoller innerhalb einer Energiegemeinschaft vermarkten, statt ihn zu sehr niedrigen Vergütungen ins öffentliche Netz einzuspeisen.
Mit jeder weiteren Altanlage dürfte Energy Sharing deshalb wirtschaftlich attraktiver werden.
Fazit: Gute Idee – wirtschaftlich aber noch mit Luft nach oben
Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes ist ein wichtiger Schritt geschafft. Erstmals können Nachbarn, Hausgemeinschaften oder Kommunen ihren selbst erzeugten Solarstrom offiziell miteinander teilen.
In der Praxis zeigt sich jedoch: Für private Haushalte ist Energy Sharing derzeit noch kein Selbstläufer. Smart Meter, zusätzliche Verträge, Dienstleister und weiterhin anfallende Netzentgelte begrenzen den finanziellen Vorteil.
Unser Eindruck ist deshalb:
Für große Gemeinschaften, Kommunen oder Genossenschaften kann Energy Sharing bereits heute interessant sein. Für klassische Einfamilienhausbesitzer lohnt sich das Modell aktuell meist nur in besonderen Konstellationen – beispielsweise nach dem Auslaufen der EEG-Vergütung oder wenn ohnehin mehrere Haushalte gemeinsam eine Photovoltaikanlage betreiben möchten.
Langfristig besitzt Energy Sharing dennoch großes Potenzial. Mit einer flächendeckenden Smart-Meter-Infrastruktur und möglichen Anpassungen bei den Netzentgelten könnte sich das Modell in den kommenden Jahren deutlich stärker durchsetzen.















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