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Wieviel Photovoltaik brauche ich für ein Einfamilienhaus mit Wärmepumpe?

  • 5. Mai
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 6 Tagen

Wer eine Wärmepumpe plant oder bereits eine hat, stellt sich früher oder später fast automatisch die Frage: Wie groß sollte die Photovoltaikanlage eigentlich sein? Schließlich soll die PV-Anlage möglichst viel Strom für die Wärmepumpe liefern und gleichzeitig wirtschaftlich sinnvoll dimensioniert sein. Doch genau das ist in der Praxis oft deutlich komplexer, als es einfache Faustformeln vermuten lassen.

Wieviel Photovoltaik brauche ich für ein Einfamilienhaus mit Wärmepumpe?


PV-Anlage: Welche Größe ist sinnvoll für mein Einfamilienhaus mit Wärmepumpe?

Die Größe einer PV-Anlage wird in kWp angegeben, ausgeschrieben Kilowatt peak. Mit einem kWp lassen sich als Faustformel zirka 1.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen.


Komplett versorgen lässt sich eine Wärmepumpe nicht mit PV-Strom, schließlich erzeugt die Photovoltaikanlage den meisten Strom im Frühling und im Sommer, während die Wärmepumpe vor allem im Herbst und im Winter Energie braucht.


Dennoch lässt sich mit einer Wärmepumpe der Eigenverbrauchsanteil des PV-Stroms erhöhen, was die PV-Anlage rentabler macht (Für eine bestmögliche Rentabilität solltest du außerdem Angebote vergleichen. Tipp: Über das Solaranlagen-Portal erhältst du ganz unkompliziert in wenigen Schritten mehrere Angebote von PV-Installateuren aus deiner Region).


Doch was ist die optimale Größe? Bei der Planung spielen verschiedene Kriterien eine Rolle – sowohl ökologische als auch ökonomische.


a) Ökologische Perspektive

Aus ökologischer Sicht sollte die PV-Anlage so groß wie möglich sein. Photovoltaik zählt zu den erneuerbaren Energien, die Sonne ist ein unerschöpflicher Lieferant von Energie. Wer eine geeignete Dachfläche hat, die von der Sonne gut beschienen wird, darf also gerne die gesamte Fläche nutzen.


Natürlich kostet die Herstellung der PV-Module auch Energie. Laut Umweltbundesamt amortisieren sich Photovoltaikanlagen aber bereits nach ein bis zwei Jahren energetisch – das heißt, dass die Anlage nach dieser Zeit schon so viel Energie produziert hat wie für Herstellung, Betrieb und Entsorgung gebraucht werden.


Wenn dir Nachhaltigkeit wichtig ist, achte beim Kauf auf den Wirkungsgrad und die Lebensdauer der Module. Auch die Frage, wo die Module hergestellt wurden (China oder deutsche Hersteller), ist aus Nachhaltigkeitsaspekten nicht unrelevant.


b) Ökonomische Perspektive

Natürlich soll sich die Investition in eine PV-Anlage auch wirtschaftlich rechnen. Wie rentabel deine Solaranlage ist und nach wie vielen Jahren sich die Investition amortisiert, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Möglicher Ertrag (abhängig von Sonnenstunden, Ausrichtung und Neigung des Dachs)

  • Voraussichtlicher Verbrauch (Haushalt, Wärmepumpe, evtl. E-Auto?) und davon abhängig der Anteil des Eigenverbrauchs

  • Mit oder ohne Speicher? Mit einem Speicher lässt sich der Eigenverbrauchsanteil erhöhen

  • Anschaffungskosten der Anlage

  • Betriebskosten der Anlage

  • Strompreisentwicklung


c) Mit oder ohne Speicher?

Ein Speicher erhöht den Eigenverbrauch – das stimmt. Trotzdem lohnt er sich nicht automatisch.


Entscheidend sind vor allem:

  • Preis pro kWh Speicherkapazität

  • tatsächliche Nutzung (Auslastung pro Jahr)


Gerade bei Wärmepumpen wichtig: Der Speicher verschiebt Strom meist nur vom Tag in den Abend – das saisonale Problem (Sommer vs. Winter) löst er nicht.


Deshalb gilt: Ein kleiner, gut ausgelasteter Speicher kann sinnvoll sein. Ein großer, teurer Speicher verschlechtert oft die Wirtschaftlichkeit.


Ausführlich haben wir das hier analysiert (inkl. konkreter Beispiele und Berechnungen): PV-Speicher richtig dimensionieren.


Wie viel Ertrag bringt eine PV-Anlage?

Mit dem Ertrag einer PV-Anlage ist die Energieausbeute gemeint. Angegeben wird der Ertrag in Kilowattstunden Strom (kWh).


Wie ist die Ausrichtung des Dachs?

Mit Ausrichtung des Dachs ist die Himmelsrichtung gemeint. PV-Anlagen lohnen sich am meisten auf Dächern mit Süd- bzw. Südost-/Südwestausrichtung.


Wie ist die Dachneigung?

Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt die Dachneigung. Am höchsten ist der Ertrag, wenn die Sonne im rechten Winkel auf die Solarzellen trifft. Allerdings ist der Sonnenstand je nach Jahreszeit und Uhrzeit unterschiedlich. Eine optimale Dachneigung (in Deutschland) liegt zwischen 30 und 35 Grad.


Wie groß ist die Dachfläche?

Je größer das Dach, desto besser für die Photovoltaik-Anlage. Allerdings lassen sich nicht alle Flächen sinnvoll nutzen, z.B. wenn ein großer Baum über einem Teil des Dachs hängt und dieses verschattet, oder Dachgauben eingebaut sind.


Wie häufig scheint die Sonne?

Manche Gegenden in Deutschland haben mehr Sonnenstunden als andere. Wie häufig bei euch die Sonne scheint, könnt ihr mit diesem Rechner der EU feststellen.



Wie viel Strom benötige ich?

Der Gesamtstromverbrauch ist essentiell, wenn du über eine eigene Photovoltaikanlage für ein Einfamilienhaus mit Wärmepumpe nachdenkst. Denn erst wenn dein tatsächlicher Bedarf klar ist, lässt sich sinnvoll beurteilen, wie groß eine PV-Anlage dimensioniert werden sollte. Welche Rolle dein Stromverbrauch dabei konkret spielt und wie du die passende PV-Größe ermittelst, zeigen wir dir in unserem Beitrag „Wie hoch ist der Stromverbrauch bei einem Einfamilienhaus mit Wärmepumpe?“.


Wie kann ich die optimale Größe für meine PV-Anlage mit Wärmepumpe berechnen?

So, und jetzt wird es konkret. Am Beispiel unseres geplanten Einfamilienhauses zeigen wir euch, wie ihr die optimale Größe für eine PV-Anlage mit Wärmepumpe berechnen könnt.


1. Schritt: Strom-Verbrauch berechnen:

Zunächst berechnen wir unseren voraussichtlichen Strombedarf.


a) Strombedarf für Wärmepumpe

Wie viel Strom eure Wärmepumpe braucht, lässt sich pauschal nicht beantworten und es kommt stark auf das jeweilige System und Gebäude an (mehr Details zur Berechnung findest du oben im Abschnitt "Wie viel Strom benötige ich?").


Dennoch liefert folgende Schätzung von Heizsparer einen groben ersten Anhaltspunkt:

Heizleistung

Luft-Wärmepumpe (JAZ 3,5)

Erdwärme-Wärmepumpe (JAZ 3,8)

Grundwasser-Wärmepumpe (JAZ 4)

Innovative Wärmepumpe (JAZ 4,5)

5 kW

2.857

2.631

2.500

2.222

7,5 kW

4.285

3.956

3.750

3.333

10 kW

5.714

5.263

5.000

4.444

12,5 kW

7.143

6.579

6.250

5.555

15 kW

8.571

7.912

7.500

6.666

Übersicht von Heizsparer: Grobe Schätzung des Stromverbrauchs (in kWh) verschiedener Wärmepumpen je nach Heizleistung. Dabei wird von 2.000 Heizstunden pro Jahr als Durchschnittswert sowie von durchschnittlichen Jahresarbeitszahlen (JAZ) ausgegangen.


In unserem Fall (Luftwärmepumpe) werden wir voraussichtlich ca. 6.000 kWh im Jahr für die Wärmepumpe brauchen.


b) Sonstiger Strombedarf

Hier solltet ihr berücksichtigen, wie viele Personen ihr im Haushalt seid und dass sich dies evtl. noch verändern kann. Falls ihr außerdem vorhabt, euch ein E-Auto anzuschaffen, habt ihr künftig natürlich auch einen höheren Strombedarf.


Gut orientieren kann man sich am Stromspiegel von co2 online:

Stromspiegel Deutschland 2022

Schätzung: Nach unserer Schätzung werden wir voraussichtlich 3.000 kWh brauchen, da wir auf unseren Verbrauch achten und effiziente Geräte im Einsatz haben.


Ergebnis: Gesamter geschätzter Strombedarf für unser Einfamilienhaus: 9.000 kWh.

Davon würden 6.000 kWh auf die Wärmepumpe entfallen und 3.000 kWh auf den Rest. Die Unterscheidung ist wichtig für die Wirtschaftlichkeitsberechnung, da Wärmepumpenstromtarife günstiger sind als Tarife für normalen Haushaltsstrom.


E-Auto als Gamechanger

Ein Punkt, der heute bei der Planung fast immer mitgedacht werden sollte: Ein E-Auto erhöht den Stromverbrauch deutlich: ca. 2.000 bis 3.500 kWh pro Jahr zusätzlich. Das kann die Dimensionierung der Anlage stark verändern – und spricht in vielen Fällen für eine größere PV-Anlage beim Einfamilienhaus mit Wärmepumpe.


👉 Wichtig: Nicht nur der Jahresverbrauch ist entscheidend, sondern auch wann Strom erzeugt und verbraucht wird. Darauf gehen wir später noch ein.


2. Schritt: Strom-Ertrag der Photovoltaikanlage berechnen

Beim Stromertrag kommt es wie schon oben geschrieben auf die Region, die Dachneigung und die Ausrichtung an. Alle diese Daten könnt ihr in verschiedene (kostenlose) PV-Ertrags-Rechner eingeben und so euren Ertrag berechnen. Wir haben den Rechner von Solarserver genutzt.


In unserem Fall kam bei einer Ausrichtung von 135° SO und einer Neigung von 20° folgendes heraus:

  1. Bei 5 kWp: 5161 kWh

  2. Bei 7 kWp: 7226 kWh

  3. Bei 9 kWp: 9290 kWh

Das entspricht in unserem Fall einem Stromertrag von 1.032 kWh pro kWp.


3. Schritt: Angebote für PV-Anlage einholen

Um die Wirtschaftlichkeit berechnen zu können, lasse dir von einem oder mehreren PV-Fachbetrieben oder einem Online-Anbieter Angebote für verschiedene PV-Anlagen-Größen berechnen, z.B. in unserem Beispiel für 5kWp, 7kWp und 9 kWp. Lasse dir zusätzlich auch einen Speicher in verschiedenen Größen anbieten.


Tipp: Hier kannst du ganz einfach und unkompliziert in wenigen Schritten Angebote von PV-Installateuren aus deiner Region erhalten: Solaranlagen-Portal


4. Schritt: Strompreis beim aktuellen Versorger prüfen

Hole deine letzte Stromrechnung und schaue nach wie viel du aktuell pro kWh Strom bezahlst. Recherchiere darüber hinaus, ob dein Versorger einen speziellen Tarif für Wärmpumpenstrom anbietet.


Alternativ: Schaue bei Verivox oder Check24 nach günstigen Tarifen bei einem seriösen Anbieter.


5. Schritt: Wirtschaftlichkeit berechnen

Einen sehr detaillierten Rechner für die Wirtschaftlichkeit von PV-Anlagen gibt es bei der Stiftung Warentest. Hier werden sämtliche Faktoren mit einbezogen (z.B. auch Betriebskosten, Einkommenssteuer und Umsatzsteuer).


Das Formular musst du mit den in den ersten beiden Schritten berechneten Werten sowie den Werten der dir vom Handwerker angebotenen PV-Anlage ausfüllen. Probiere verschiedene kWp-Werte für PV-Anlage und Speicher aus (wichtig: Kosten und Eigenverbrauch anpassen, alles andere konstant halten!).


Tipp: Für den Strompreis aus Schritt 4 am einfachsten einen Mischpreis aus Wärmepumpenstrom und „normalem“ Strom angeben, da der Wärmepumpenstrom meistens ein paar Cent günstiger ist.


Als Ergebnis wird angezeigt, nach wie vielen Jahren sich die PV-Anlage amortisiert hat, also nach wie vielen Jahren dein Ertrag höher ist als deine Kosten. Je kürzer die Amortisationszeit, desto schneller rentiert sich die Solaranlage und desto wirtschaftlicher ist sie.


Fazit: Optimale Größe der PV-Anlage bei Einfamilienhaus mit Wärmepumpe

In unserem konkreten Beispiel ergab sich der beste wirtschaftliche Wert bei einer Anlage von 9 kWp (mit Speicher).


👉 Wichtig: Dieses Ergebnis ist nicht allgemeingültig, sondern hängt stark von den individuellen Rahmenbedingungen ab – insbesondere vom Stromverbrauch, der Dachfläche, der Ausrichtung und der Nutzung (z. B. Wärmepumpe oder E-Auto).

Für andere Haushalte kann daher eine kleinere oder auch deutlich größere Anlage sinnvoller sein.


Einschränkung: Nicht nur Jahresverbrauch zählt

Früher lag der Fokus vor allem auf dem jährlichen Stromverbrauch.

👉 Heute entscheidend:

  • Wann wird Strom erzeugt? (vor allem tagsüber und im Sommer)

  • Wann wird Strom verbraucht? (oft abends und im Winter)


Dieses Zusammenspiel beeinflusst maßgeblich:

  • den Eigenverbrauch

  • die Wirtschaftlichkeit

  • die sinnvolle Größe der PV-Anlage

Eine reine Jahresbetrachtung greift daher oft zu kurz.


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