Erdwärmepumpe: Diese Voraussetzungen müssen Grundstück, Haus und Standort erfüllen
- Benjamin Fritz

- vor 3 Tagen
- 5 Min. Lesezeit
Ist eine Erdwärmepumpe bei dir möglich? Erfahre alles zu Voraussetzungen, Bohrung, Genehmigung und Gebäude.
Eine Erdwärmepumpe nutzt die im Erdreich gespeicherte Wärme, die bereits ab etwa zehn Metern Tiefe ganzjährig nahezu konstant zur Verfügung steht. Über Erdsonden oder Erdkollektoren wird diese Energie erschlossen und mithilfe einer Wärmepumpe für Heizung und Warmwasser nutzbar gemacht. Im Vergleich zu Luft-Wasser-Wärmepumpen arbeitet die Erdwärmepumpe dadurch besonders effizient und zuverlässig – erfordert jedoch eine deutlich sorgfältigere Planung.
Ob eine Erdwärmepumpe sinnvoll und realisierbar ist, hängt weniger vom Gerät selbst ab als von den örtlichen und baulichen Voraussetzungen. Entscheidend sind vor allem das verfügbare Grundstück, die geologischen und rechtlichen Rahmenbedingungen sowie der energetische Zustand des Gebäudes. Während sich viele Neubauten problemlos eignen, kann eine Erdwärmepumpe auch im Altbau wirtschaftlich arbeiten – allerdings nur, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.
Ziel dieses Beitrags ist es, genau diese Voraussetzungen transparent darzustellen. So kannst du realistisch einschätzen, ob eine Erdwärmepumpe für dein Haus und deinen Standort infrage kommt – noch bevor du Zeit und Geld in detaillierte Planung oder Angebote investierst.
Zentrale Voraussetzung Nr. 1: Grundstück & Platzangebot
Eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine Erdwärmepumpe ist das verfügbare Grundstück. Anders als bei einer Luft-Wärmepumpe wird die Wärme nicht aus der Umgebungsluft gewonnen, sondern dem Erdreich entzogen. Dafür müssen entsprechende Erdwärmetauscher im Boden installiert werden – und genau hier unterscheiden sich die Anforderungen je nach System deutlich.
Grundsätzlich gilt: Nicht jedes Grundstück eignet sich für jede Art der Erdwärmepumpe, für nahezu jede Grundstückssituation gibt es jedoch eine passende Lösung.
Welche Erdwärmepumpen gibt es?
Am häufigsten kommen folgende Varianten zum Einsatz:
Erdwärmepumpe mit Sonde: Die Wärme wird über eine oder mehrere Tiefenbohrungen erschlossen. Diese reichen in der Regel 50 bis 100 Meter in den Boden. Der Flächenbedarf auf dem Grundstück ist gering, dafür sind Bohrarbeiten erforderlich.

Erdwärmepumpe mit Flächenkollektor: Hier werden Rohrleitungen horizontal in etwa 1,2 bis 1,5 Metern Tiefe im Erdreich verlegt. Diese Variante benötigt deutlich mehr unversiegelte Grundstücksfläche, kommt aber ohne Tiefenbohrung aus.

Erdwärmekörbe und Grabenkollektoren: Diese Systeme sind Alternativen für kleinere oder ungünstig geschnittene Grundstücke. Erdwärmekörbe werden punktuell in mehreren Metern Tiefe eingebaut, Grabenkollektoren verlaufen in schmalen, bis zu drei Meter tiefen Gräben entlang der Grundstücksgrenzen.
Wie viel Platz wird benötigt?
Welches System infrage kommt, hängt maßgeblich vom Platzangebot ab:
Kleines Grundstück → Erdsonde oder kompakte Grabenkollektoren
Großes, unversiegeltes Grundstück → Flächenkollektor
Eingeschränkte Fläche, aber keine Bohrung möglich → Erdwärmekörbe
Neben der reinen Größe spielt auch die Form des Grundstücks eine Rolle. Lange, schmale Grundstücke eignen sich oft gut für Grabenkollektoren, während freie Gartenflächen ideal für Flächenkollektoren sind.
Weitere Voraussetzungen für Erdwärmepumpen
Wichtig zu wissen:
Die Flächen über Erdwärmekollektoren, Körben oder Gräben dürfen nicht bebaut oder versiegelt werden.
Auch tiefwurzelnde Bepflanzung ist ungeeignet.
Günstig wirkt sich hingegen eine feuchte Bodenstruktur aus – beispielsweise durch Regenwasserversickerung oder gezielte Bewässerung –, da feuchter Boden Wärme besser speichert und an die Wärmepumpe abgibt.
Fazit dieses Abschnitts: Das Grundstück entscheidet maßgeblich darüber, ob und wie eine Erdwärmepumpe installiert werden kann. Wer frühzeitig prüft, welche Varianten räumlich möglich sind, spart später Zeit, Kosten und Planungsaufwand.
Zentrale Voraussetzung Nr. 2: Genehmigungen & Standortprüfung
Neben dem verfügbaren Platz ist die rechtliche Zulässigkeit am Standort der zweite entscheidende Faktor bei der Planung einer Erdwärmepumpe. Denn die Nutzung von Erdwärme greift – insbesondere bei Tiefenbohrungen – in den Untergrund und teilweise in grundwasserführende Schichten ein. Entsprechend streng sind die gesetzlichen Vorgaben.
Wann ist eine Genehmigung für eine Erdwärmepumpe erforderlich?
Ob eine Genehmigung notwendig ist, hängt von der gewählten Erdwärmevariante ab:
Erdwärmepumpen mit Sonde: Tiefenbohrungen sind immer genehmigungspflichtig. Zuständig ist die jeweilige untere Wasserbehörde. Ohne schriftliche Genehmigung dürfen Bohrarbeiten nicht beginnen.
Erdwärmepumpen mit Flächenkollektor: Diese Systeme sind in vielen Bundesländern nicht genehmigungspflichtig, müssen jedoch häufig angezeigt werden.
Erdwärmekörbe und Grabenkollektoren: Da keine tiefen Bohrungen notwendig sind, ist der Genehmigungsaufwand meist geringer, regionale Vorgaben können aber dennoch bestehen.
Regionale Unterschiede und Ausschlusskriterien
Die Nutzung von Erdwärme ist in Deutschland Ländersache. Deshalb unterscheiden sich die Anforderungen je nach Bundesland teilweise deutlich. Relevante Einschränkungen betreffen unter anderem:
Wasserschutz- und Heilquellenschutzgebiete
maximal zulässige Bohrtiefen
bekannte Bohrrisiken oder geologische Störzonen
besondere Auflagen zum Schutz des Grundwassers
Gerade in Wasserschutzgebieten sind Erdsonden häufig ausgeschlossen, während oberflächennahe Systeme unter Umständen erlaubt bleiben. Eine pauschale Aussage ist daher nicht möglich – eine standortbezogene Prüfung ist zwingend erforderlich.
Voraussetzungen für eine Erdwärmepumpen-Bohrung
Ist eine Erdwärmepumpe mit Sonde geplant, kommen zusätzliche Anforderungen hinzu, die speziell die Bohrung betreffen. Diese Voraussetzungen entscheiden nicht nur über die Genehmigungsfähigkeit, sondern auch über den Aufwand und die Kosten des Projekts.
Zu den wichtigsten Voraussetzungen für eine Erdwärmepumpen-Bohrung zählen:
Behördliche Genehmigung: Tiefenbohrungen müssen vorab bei der zuständigen Wasserbehörde beantragt und genehmigt werden.
Zulässigkeit am Standort: In Schutzgebieten oder sensiblen hydrogeologischen Zonen sind Bohrungen oft ausgeschlossen oder stark reglementiert.
Geeignete geologische Verhältnisse: Bodenart, Gesteinsschichten und Grundwasserverhältnisse beeinflussen sowohl die technische Machbarkeit als auch die Bohrkosten.
Einhaltung regionaler Bohrtiefenbegrenzungen: Je nach Bundesland gelten maximale Bohrtiefen, häufig im Bereich von 50 bis 100 Metern.
Ausführung durch ein zertifiziertes Bohrunternehmen: Die Bohrung darf ausschließlich von erfahrenen und zugelassenen Fachbetrieben durchgeführt werden, die alle wasserrechtlichen Auflagen einhalten.
Diese Punkte sollten vor der Detailplanung geklärt werden, da sie maßgeblich bestimmen, ob eine Erdsonde realisierbar ist oder ob auf alternative Systeme ausgewichen werden muss.
Standort vorab prüfen
Ob die genannten Voraussetzungen an deinem Standort erfüllt sind, lässt sich in vielen Fällen bereits vorab digital prüfen.
👉 Unsere Geothermie-Karte von Deutschland & den Bundesländern zeigt dir auf einen Blick:
ob dein Grundstück in einem Schutzgebiet liegt
welche Einschränkungen für Erdsonden gelten
ob dein Standort grundsätzlich als geeignet eingestuft wird
Diese Vorprüfung spart Zeit, reduziert Planungsrisiken und erleichtert spätere Genehmigungsverfahren erheblich.
Gebäude & Altbau: Technische Voraussetzungen
Neben Grundstück und Genehmigung spielen auch die baulichen Voraussetzungen des Gebäudes eine Rolle für eine Erdwärmepumpe. Entscheidend sind vor allem ein moderater Heizenergiebedarf, geeignete Heizflächen für niedrige Vorlauftemperaturen sowie ein insgesamt sinnvoll ausgelegtes Heizsystem. Das gilt sowohl für Neubauten als auch – mit gewissen Anpassungen – für viele Bestandsgebäude.
Gerade im Altbau ist eine Erdwärmepumpe häufig möglich, wenn Dämmstandard, Heizkörpergröße und Systemtemperaturen zusammenpassen oder gezielt optimiert werden.
👉 Für eine detaillierte Einordnung empfehlen wir unseren weiterführenden Beitrag: 5 Voraussetzungen für eine Wärmepumpe (in Altbau und Neubau). Dort erfährst du ausführlich, welche Anforderungen dein Haus erfüllen sollte und welche Maßnahmen die Effizienz einer Wärmepumpe deutlich verbessern können.
Kosten & Wirtschaftlichkeit
Die Kosten einer Erdwärmepumpe hängen stark davon ab, welche Erschließungsvariante du wählst und wie aufwendig die Arbeiten am Standort sind. Grundsätzlich gilt: Erdsonden sind meist teurer, weil Bohrungen, Genehmigungen und die Ausführung mehr Aufwand verursachen. Flächenkollektoren sind häufig günstiger in der Erschließung, benötigen dafür aber mehr freie Grundstücksfläche und passende Bodenverhältnisse.
Für die Wirtschaftlichkeit sind vor allem vier Kostenblöcke relevant:
Anschaffung der Wärmepumpe
Bohrung (Erdsonde) oder Verlegung (Flächenkollektor)
Einbau und Anbindung an das Heizsystem
laufende Betriebskosten (Strom, ggf. Wartung)
Zusätzlich kann die Förderung die Investition deutlich reduzieren – weshalb es sich lohnt, die Kosten immer inkl. Förderperspektive zu betrachten.
👉 Für Details, konkrete Beispiele und eine vollständige Kostenaufschlüsselung (EFH/MFH, Sonde/Kollektor, inkl. monatlicher Betriebskosten und Förderwirkung) empfehlen wir unseren Beitrag Kosten einer Erdwärmepumpe.
Fazit: Diese Voraussetzungen solltest du vor der Planung prüfen
Ob eine Erdwärmepumpe für dein Haus infrage kommt, entscheidet sich in der Praxis vor allem an drei Punkten:
Grundstück & Platzangebot: Ist ausreichend Fläche vorhanden – oder ist eine Erdsonde die realistische Option?
Genehmigung & Standort: Sind Bohrungen zulässig (z. B. außerhalb von Wasserschutzgebieten) und welche Vorgaben gelten in deinem Bundesland?
Gebäude & Heizsystem: Passt der Wärmebedarf und sind niedrige Vorlauftemperaturen mit deinem Heizsystem erreichbar?
Wenn diese Grundlagen passen, lohnt sich als nächster Schritt eine Standort-Vorprüfung (z. B. über die Geothermie-Karten), gefolgt von der Konzeptplanung mit einem Fachbetrieb und dem Vergleich mehrerer Angebote. Tipp: Über das Portal Heizungsfinder erhältst du unkompliziert und einfach verschiedene Angebote von Wärmepumpen-Installateuren aus deiner Region.




















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