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Gebäudeenergiegesetz & Fernwärme: Ist das eine Option für meine Heizung?

Viele Gebäudeeigentümer und Heizungssanierer fragen sich: Wie geht es mit meiner Heizung weiter? Ist Fernwärme eine Option? Und wie ist der Zusammenhang zwischen Gebäudeenergiegesetz (GEG) und Fernwärme?


Die Änderung des Gebäudeenergiegesetzes (häufig auch Heizungsgesetz genannt) wird erhebliche Auswirkungen darauf haben, wie wir wohnen und was Wohnen in Zukunft kosten wird.


In den Schlagzeilen der letzten Wochen stand häufig, dass ab dem 1. Januar 2024 am besten jede neu installierte Heizung zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden muss. In diesem Zusammenhang fallen auch immer wieder Begriffe wie "Wärmenetz" und "Fernwärme".


Mit diesem Blogbeitrag möchten wir versuchen Fakten zu schaffen.


Inhaltsverzeichnis:

1. Gebäudeenergiegesetz und Fernwärme

Die Verunsicherung ist aktuell sehr groß in Deutschland was die Zukunftsfähigkeit verschiedener Heizungssysteme betrifft. Bezüglich Fernwärme kommen in diesem Zusammenhang häufig Fragen auf, wie z.B.

  • Erfüllt Fernwärme das GEG?

  • Was haben kommunale Wärmepläne mit Fernwärme zu tun?

Im folgenden geben wir dir die Antworten.


Wie hängen Gebäudeenergiegesetz und Fernwärme miteinander zusammen?

In der ersten Fassung des neuen Gebäudeenergiegesetzes (ab 2024) gab es bereits einige Ausnahmeregelungen für die 65-Prozent-Regel. Fernwärme zählte bereits in dieser Gesetzesfassung als alternative Erfüllungsoption für das GEG (aber nur dort wo Fernwärme bereits verfügbar ist).


Dies hätte in den meisten Heizungstausch-Fällen den Einbau einer Wärmepumpe bedeutet (da der Fernwärme-Anteil aktuell nur 14 Prozent beträgt). Eine Wärmepumpe kann mit erheblichen Kosten verbunden sein. Dies führte zu einer enormen medialen/öffentlichen Debatte sowie Differenzen zwischen den Regierungsparteien. Daher wurden Ausnahmeregelungen und Übergangsfristen geschaffen.


Welche Übergangsregelungen wurden geschaffen?

Bei diesen Übergangsregelungen des GEG kommt indirekt wieder die Fernwärme ins Spiel. Die Bundesregierung möchte den Anteil an Fernwärme, der im GEG-Entwurf mit aktuell bei etwa 14 Prozent beziffert wird, ausbauen.


Also entfällt auch die Pflicht, bei der Installation einer neuen Heizung auf die 65-Prozent-Regel zu achten, wenn ein Anschluss an die Fernwärme geplant ist. Dazu aber ist es erforderlich, dass eine kommunale Wärmeplanung entsprechende Daten bereitstellt. Dies soll im ebenfalls geplanten Wärmeplanungsgesetz geregelt werden.


So greifen also GEG, Fernwärme-Planung und Wärmeplanungsgesetz ineinander. Nur sind in letzterem bei der kommunalen Wärmeplanung deutlich spätere Fristen angegeben als Januar 2024. Welche Konsequenzen hat das auf die 65-Prozent-Pflicht?


Warum kann man auch durch die Nutzung von Fernwärme die GEG-Anforderungen erfüllen?

Im Gebäudeenergiegesetz ist Fernwärme eine Erfüllungsoption. Es wird dabei davon ausgegangen, dass Fernwärme meistens erneuerbare Energien nutzen wird. Auch wenn das im Moment nicht der Fall ist, erfüllst Du mit der Nutzung von Fernwärme alle GEG-Anforderungen. Selbst wenn Du nur die Absicht hast, einen Anschluss an eine geplante Fernwärme zu nutzen, ist das GEG-konform.


Für die Übergangszeit bis zur Nutzung der Fernwärme kannst du entscheiden, welche Heizung Du bis dahin nutzt. Das kann auch eine neue Öl- oder Gasheizung sein. Interessant können in diesem Zusammenhang auch gebrauchte Öl- oder Gasheizungen sein.


Was ist ein kommunaler Wärmeplan?

Ein kommunaler Wärmeplan soll den Umbau zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung dadurch unterstützen, dass aus einer Bestands- und Potenzialanalyse ein Zielszenario entwickelt wird, das zu einer konkreten Wärmestrategie führt. Ziel des Gesetzes ist es, bis zum Jahr 2030 die Hälfte der leitungsgebundenen Wärme klimaneutral zu erzeugen. Dazu sollen Wärmenetze bis 2030 mit einem Anteil von 30 Prozent und bis 2040 mit einem Anteil von 80 Prozent mit Wärme aus erneuerbaren Energien oder unvermeidbarer Abwärme gespeist werden.


Das Land Baden-Württemberg fordert von seinen Kommunen, dass diese bereits bis zum 31.12.2023 kommunale Wärmepläne erstellen. Mit dem geplanten "Gesetz für die Wärmeplanung und zur Dekarbonisierung der Wärmenetze" soll das nun auch auf Bundesebene umgesetzt werden.


Was ist das "Gesetz für die Wärmeplanung und zur Dekarbonisierung der Wärmenetze"?

Das Wärmeplanungsgesetz regelt einerseits bundesweit die kommunale Wärmeplanung mit verpflichtenden Vorgaben und andererseits die Transformation der Fernwärme durch erneuerbare Energien sowie die Nutzung von Abwärme. So soll grüne Fernwärme entstehen (mehr dazu unter 3.). Gleichzeitig wird Planungssicherheit geschaffen, da jeder potentielle Abnehmer über die Verfügbarkeit von Fernwärme informiert ist.


Bis wann muss die kommunale Wärmeplanung abgeschlossen sein?

Folgende Fristen sollen gelten:

  • Für Städte ab 100.000 Einwohner soll die Wärmeplanung bis zum 31.12.2025 abgeschlossen sein. Bis zum 31.06.2026 muss das geschehen sein.

  • Kleinere Kommunen mit 10.000 bis 100.000 Einwohner haben etwas länger Zeit. Für sie gilt ein Soll-Termin bis zum 31.12.2027 und ein Muss-Termin bis zum 31.06.2028.

  • Für Kommunen mit weniger als 10.000 Einwohnern gibt es keine Terminvorgaben.

Was für Auswirkungen hat das auf die 65-Prozent-Regel des GEG im Zusammenhang mit Fernwärme?

Allerdings gilt im GEG die Fernwärme als Erfüllungskriterium selbst dann, wenn nur eine Anschlussmöglichkeit geplant ist. Daher kann die Pflicht, beim Neueinbau eine Heizung zu wählen, die zu mindestens 65 Prozent erneuerbare Energien nutzt, erst gelten, wenn die Wärmeplanung der Kommune vor Ort abgeschlossen ist. Die Fristen hier enden somit weit später als der geplante Einführungstermin der 65-Prozent-Pflicht am 1. Januar 2024.


2. Häufige Fragen zur Fernwärme

Viele Menschen sind noch nie mit dem Thema Fernwärme in Berührung gekommen und stellen sich daher Fragen, wie z.B.:

  • Was ist Fernwärme & wie funktioniert das?

  • Fernwärme, woher kommt das?

  • Was sind Vor- und Nachteile von Fernwärme?

  • Nahwärme, was ist das?

  • Werden für Fernwärme erneuerbare Energien verwendet?

  • Fernwärme, was ist das Gute daran?

  • Fernwärme, wo ist sie möglich?

  • Sind meine Heizkörper für Fernwärme geeignet oder: Fernwärme, welche Heizkörper benötige ich?

Im Folgenden geben wir die Antworten.


Was ist Fernwärme überhaupt?

Fernwärme, was ist das überhaupt? Wärmeenergie zum Heizen sowie für Warmwasser kann im Haus selbst gewonnen oder über ein Leitungssystem von außen bezogen werden. Können über dieses Leitungssystem oder Wärmenetz auch längere Strecken zurückgelegt werden, spricht man von Fernwärme.

Fernwärme Leitungen

Wie funktioniert Fernwärme?

Beim Fernwärmenetz handelt es sich um einen geschlossenen Kreislauf. Das Heißwasser kommt bei Dir an, gibt seine Wärme über Heizkörper oder das Erwärmen von Leitungswasser ab und gelangt dann abgekühlt in den Rücklauf, um erneut erhitzt zu werden.


Woher kommt Fernwärme?

Ein Großteil der Fernwärme stammt derzeit aus Heizkraftwerken mit Kraft-Wärme-Kopplung, die mit Gas, Kohle oder Öl betrieben werden. Seltener werden Biogas oder andere erneuerbare Energien genutzt. Zudem kann die Abwärme aus Müllverbrennungsanlagen und Ähnlichem genutzt werden. Außerdem tragen Fernheizwerke sowie Blockheizkraftwerke zur Fernwärme bei. Verstärkt sollen auch Großwärmepumpen einbezogen werden. Häufig wird das synonym als Nahwärme bezeichnet.


Nahwärme: Was ist das im Unterschied zur Fernwärme?

Ein strikter Unterschied zwischen Fernwärme und Nahwärme lässt sich nicht ausmachen. Die Übergänge sind fließend. Generell stammt die Energie im Nahwärmenetz aus kleineren Kraftwerken, die ein weniger ausgedehntes Gebiet versorgen.


Warum gilt Fernwärme als besonders effiziente und nachhaltige Form der Wärmeversorgung? Und warum ist das nicht immer korrekt?

Fernwärme kommt als Wärme ins Haus. Es treten vor Ort also keine Verluste durch die Umwandlung in Wärmeenergie auf. Zudem stammt Fernwärme oft aus ohnehin anfallender Abwärme. Aber es gibt auch Kraftwerke, die eigens zur Gewinnung von Fernwärme betrieben werden. Wenn diese Fernwärme durch erneuerbare Energien entsteht, kann es sich aber auch dabei um grüne Fernwärme handeln. Allerdings verwenden zahlreiche Fernwärmekraftwerke fossile Brennstoffe mit einem hohen Ausstoß an CO2.


Welche Vorteile bietet Fernwärme gegenüber konventionellen Heizsystemen?

Fernwärme bringt eine Menge Vorteile mit sich, doch es gibt auch ein paar Punkte, die du beachten solltest. Lass uns das Ganze mal genauer betrachten:

Vorteile von Fernwärme:

  • Geringe Investition: Keine Sorge um den Kauf eines neuen Heizkessels oder einer Wärmepumpe.

  • Erfüllung des GEG: Mit Fernwärme deckst du problemlos die Anforderung des GEG ab.

  • Platzersparnis: Ein Hausanschluss samt Übergabestation reicht völlig aus – so sparst du viel Platz.

  • Weniger Mühe: Du musst dir keinen Kopf über die Beschaffung, Lagerung von Brennstoff oder die Speicherung von Wärme machen.

  • Geringe Wartungskosten: Du kannst bei der Heizungswartung sparen und benötigst keinen Schornsteinfeger mehr. Das kann langfristig den Grundpreis der Fernwärme kompensieren.

  • Fördermöglichkeiten: Das BAFA fördert (momentan) einen Hausanschluss.

  • Umweltfreundlichkeit: Fernwärme kommt oft aus effizienten Kraftwerken, Abwärme oder erneuerbaren Quellen. Und der grüne Anteil soll stetig wachsen – damit tust du was Gutes fürs Klima.

  • Zukunftssicher: Deine Wärmeversorgung in 20 Jahren? Die steht fest.

Was sind die Nachteile von Fernwärme?

Der Grundpreis bleibt während der meist langen Vertragslaufzeit gleich. Zudem bist du ziemlich festgelegt und ein Wechsel zu einer anderen Heizart auf die Schnelle ist nicht drin.


Wo ist Fernwärme möglich?

Fernwärme ist da möglich, wo eine Anschlussmöglichkeit an das Wärmenetz besteht. Das ist in der Regel im städtischen Raum der Fall. Die Verlegung der Heißwasserrohre für das Fernwärmenetz ist aufwändig und kommt in der Regel nur in dicht bewohnten Gebieten infrage.


Gibt es eine Anschlusspflicht bei Fernwärme?

Tatsächlich ist es möglich, dass dort, wo ein Fernwärmenetz verfügbar ist, die Kommune Anschluss und Nutzung vorschreibt. Auch wenn diese Möglichkeit besteht, sehen jedoch zahlreiche Kommunen davon ab. In Bayern kann das aktuell ohnehin nur Neubauten sowie Sanierungsgebiete betreffen.


Welche Heizkörper sind für Fernwärme geeignet?

Abgesehen von wenigen Ausnahmefällen kannst Du Deine alten Heizkörper weiter nutzen, wenn du dich für Fernwärme entscheidest. Welche Heizung vorher eingebaut war, spielt dabei keine Rolle. Es sind nicht nur nahezu alle Heizkörper für Fernwärme geeignet. Auch Rohre und Ventile brauchen normalerweise nicht ersetzt zu werden.


3. Entwicklung der Fernwärme

Wie geht es weiter mit der Fernwärme?

Die große Herausforderung bei der Fernwärme besteht darin, den Anteil grüner Fernwärme sowie Fernwärme aus Abwärme zu erhöhen.


Die Transformation weg von konventionellen Quellen wie Gas und Öl hinzu grüner Fernwärme stellt eine große Aufgabe für die Kommunen dar.


Was ist grüne Fernwärme?

Als grüne Fernwärme aus erneuerbaren Energiequellen gelten:

  • Fernwärme aus Biomasse,

  • Groß-Wärmepumpen

  • sowie Solarthermie-

  • und Tiefengeothermie-Anlagen.

Was zählt zu Fernwärme aus Abwärme?

Abwärme für die Fernwärme kann z.B. von

  • Kläranlagen

  • Rechenzentren,

  • Müllverbrennungs-

  • oder aus Industrieanlagen

stammen.


4. Ist Fernwärme eine Option für mein Gebäude?

Unter welchen Bedingungen ist Fernwärme für Städte und Gemeinden wirtschaftlich sinnvoll? Der Aufbau von Heizkraftwerken, Großwärmepumpen, Abwärmeanlagen und die Installation von Wärmenetz-Rohrsystemen sind kosten- und ressourcenintensiv.


Die Frage ist: Wann rechtfertigt sich diese Ausgabe für Kommunen? Die Wirtschaftlichkeit zeigt sich, sobald im Leitungssystem pro Meter eine bestimmte Mindestmenge an Wärmeenergie abgenommen wird. Aus diesem Grund ist Fernwärme vor allem in Gebieten mit hoher Bevölkerungsdichte verbreitet.

Ist Fernwärme eine Option für mein Gebäude?

Doch auch in ländlichen Gegenden kann Fernwärme von Vorteil sein, insbesondere wenn kostengünstige Energiequellen wie Biogas oder Forst- und Holzabfälle zur Verfügung stehen.


5. Fazit: Noch einiges zu tun für die meisten Kommunen

Derzeit beträgt der Anteil fossiler Energie für die Fernwärme noch rund 70 %. Damit GEG und Fernwärme harmonieren, muss sich das ändern.


Außerdem wird die Fernwärme-Option wohl dafür sorgen, dass die 65-Prozent-Regel im GEG möglicherweise erst in einigen Jahren oder in sehr kleinen Kommunen gar nicht ziehen wird.



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