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Nachhaltige Dämmstoffe im Vergleich

3. Sept.
13 Min. Lesezeit

Welche Dämmstoffe sind besonders nachhaltig? Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Holzfaser, Zellulose, Hanf und andere Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen schneiden bei Rohstoffbasis und Klimabilanz häufig gut ab. Mineralwolle überzeugt dagegen vor allem beim Brandschutz. EPS und XPS basieren auf fossilen Rohstoffen, können wegen ihrer guten Dämmwirkung und technischen Eigenschaften aber in bestimmten Bereichen sinnvoll sein.


Entscheidend ist deshalb nicht nur das Material. Eine nachhaltige Dämmung muss zum Bauteil passen, dauerhaft funktionieren und möglichst so eingebaut werden, dass sie später getrennt, wiederverwendet oder recycelt werden kann. Damit ist sie ein wichtiger Bestandteil des nachhaltigen Bauens.


Tipp vorab: Bei einer Sanierung bestimmen nicht nur die Materialkosten den Gesamtpreis, sondern häufig vor allem Arbeitsaufwand, Gerüst, Anschlüsse und Nebenarbeiten. Hole deshalb mehrere Angebote von Fachbetrieben ein und vergleiche neben dem Preis auch Dämmstoff, Dämmstärke und vorgesehenen Aufbau. Über das Portal Dämmen und Sanieren kannst du Fachfirmen für Dämmarbeiten in deiner Nähe anfragen und Angebote vergleichen.


Welche Dämmstoffe sind nachhaltig? Alle Dämmmaterialien im Vergleich

Zu den häufig verwendeten ökologischen Dämmstoffen gehören Holzfaser, Zellulose, Hanf, Flachs, Jute, Kork und Schafwolle. Doch auch mineralische oder synthetische Dämmstoffe können unter bestimmten Voraussetzungen eine sinnvolle Lösung sein.


Die folgende Tabelle bietet dir eine erste Orientierung. Die Wärmeleitfähigkeit λ beschreibt, wie gut ein Material Wärme leitet. Je kleiner der Wert, desto besser dämmt das Material bei gleicher Dicke. Die konkreten Werte unterscheiden sich allerdings je nach Produkt.

Dämmstoff

Typische Wärmeleitfähigkeit λ in W/(m·K)

Geeignete Einsatzbereiche

Stärken

Schwächen

Steinwolle

etwa 0,035–0,045

Fassade, Dach, Innenausbau, Trittschall- und Brandschutz

nicht brennbar, guter Schallschutz, langlebig

energieintensive Herstellung, Rückbau und Recycling häufig schwierig

Glaswolle

etwa 0,032–0,045

Dach, Leichtbauwände, Fassade, technische Dämmung

nicht brennbar, leicht, gute Dämmwirkung

Staubschutz bei der Verarbeitung erforderlich, Recycling in der Praxis begrenzt

EPS

etwa 0,031–0,040

Fassade, Kellerdecke, Boden und Flachdach – produktabhängig

leicht, gute Dämmwirkung, vergleichsweise günstig

fossiler Rohstoff, brennbar, verklebte Platten schwer recycelbar

XPS

etwa 0,032–0,042

Perimeterdämmung, Bodenplatte, Sockel und Umkehrdach

druckfest, feuchtebeständig, langlebig

fossiler Rohstoff, Rückbauprodukte meist nicht stofflich recycelt

Holzfaser

etwa 0,038–0,052

Dach, Holzrahmenbau, Fassade, Innen- und Trittschalldämmung

nachwachsender Rohstoff, guter sommerlicher Wärmeschutz, feuchteregulierend

größere Dämmstärke möglich, brennbar, nicht für jede Feuchtebelastung geeignet

Zellulose

etwa 0,038–0,045

Einblasdämmung in Dach, Decke und Holzrahmenwand

überwiegend aus Altpapier, füllt Hohlräume gut aus, vergleichsweise geringer Herstellungsaufwand

fachgerechter Einbau nötig, Setzung und Feuchteschutz beachten

Hanf und Flachs

etwa 0,039–0,050

Zwischen- und Untersparrendämmung, Holzbau, Innenwände und Decken

nachwachsend, feuchteregulierend, angenehme Verarbeitung

brennbar, oft Zusatzstoffe erforderlich, eingeschränkte Verfügbarkeit

Jute

etwa 0,038–0,045

Dach, Wand und Geschossdecke

teilweise aus wiederverwendeten Fasern, guter Wärme- und Schallschutz

Zusammensetzung und Zusatzstoffe produktabhängig, begrenzte Produktauswahl

Kork

etwa 0,040–0,050

Fassade, Dach, Innenausbau und Trittschall

nachwachsend, druckbelastbar, beständig gegen Feuchtigkeit und Verrottung

längere Transportwege möglich, meist relativ teuer

Schafwolle

etwa 0,035–0,045

Dach, Innenwand, Decke und Installationszwischenräume

nachwachsend, kann Feuchtigkeit puffern, gute Verarbeitung

Schutz gegen Motten erforderlich, Ökobilanz hängt auch von Tierhaltung und Aufbereitung ab

Schaumglasplatten

etwa 0,038–0,050

Perimeterbereich, Flachdach und druckbelastete Bauteile

druckfest, wasser- und dampfdicht, nicht brennbar

energieintensive Herstellung, teuer, Rückbau abhängig von Verklebung

Schaumglasschotter

meist deutlich höhere Wärmeleitfähigkeit als Schaumglasplatten

unter Bodenplatten und in erdberührten Bereichen

hoher Altglasanteil, druckfest, kapillarbrechend

größere Schichtdicke nötig, energieintensive Herstellung

Wichtig: Einzelne Kennzahlen wie die graue Energie in Megajoule pro Kilogramm reichen für einen fairen Vergleich nicht aus. Ein Kubikmeter Zellulose, Holzfaser oder Steinwolle wiegt unterschiedlich viel und erreicht je nach Wärmeleitfähigkeit eine andere Dämmwirkung. Sinnvoll ist deshalb ein Vergleich bei gleicher Fläche, gleicher Dämmwirkung und vergleichbarer Nutzungsdauer.


Für eine belastbare Gebäudeökobilanz können Planer Produktdaten beziehungsweise Umweltproduktdeklarationen, sogenannte EPDs, und die Datensätze der ÖKOBAUDAT verwenden. Die Datenbank des Bundes berücksichtigt verschiedene Phasen des Lebenszyklus von der Herstellung bis zu Rückbau, Verwertung oder Entsorgung.


Woran erkennst du einen nachhaltigen Dämmstoff?

Ein Dämmstoff ist nicht allein deshalb nachhaltig, weil er aus einem natürlichen Rohstoff besteht. Für die Bewertung solltest du mehrere Punkte berücksichtigen:

  • Dämmwirkung: Ein Material mit niedriger Wärmeleitfähigkeit benötigt bei gleicher Wirkung eine geringere Dicke.

  • Rohstoffbasis: Nachwachsende oder recycelte Rohstoffe können Vorteile haben. Ihre Herkunft und Verarbeitung bleiben trotzdem relevant.

  • Herstellungsenergie und Treibhausgasemissionen: Hohe Temperaturen, lange Transporte und energieintensive Ausgangsstoffe belasten die Bilanz.

  • Langlebigkeit: Eine Dämmung, die trocken bleibt und über Jahrzehnte funktioniert, muss seltener ersetzt werden.

  • Feuchte- und Brandschutz: Der Dämmstoff muss für das konkrete Bauteil geeignet sein. Ein ökologisch interessantes Material ist nicht nachhaltig, wenn es durch Feuchtigkeit frühzeitig ausfällt.

  • Zusatzstoffe: Bindemittel, Flammschutz-, Insekten- oder Hydrophobierungsmittel beeinflussen Gesundheit, Umweltwirkung und Entsorgung.

  • Rückbaubarkeit: Lose geschüttete, eingeblasene oder mechanisch befestigte Dämmstoffe lassen sich meist besser trennen als vollflächig verklebte Systeme.

  • Wiederverwendung und Recycling: Technische Recycelbarkeit bedeutet noch nicht, dass vor Ort tatsächlich ein Sammel- und Verwertungssystem verfügbar ist.


Die erste Frage sollte daher nicht lauten: „Welcher Dämmstoff ist allgemein der nachhaltigste?“, sondern: „Welcher Dämmstoff erfüllt die Anforderungen dieses Bauteils mit möglichst geringen Umweltwirkungen über seinen gesamten Lebenszyklus?“


Ist Mineralwolle nachhaltig?

Mineralwolle ist der Oberbegriff für Glas- und Steinwolle. Beide Dämmstoffe werden aus mineralischen Rohstoffen und teilweise aus Recyclingmaterial hergestellt. Sie benötigen hohe Temperaturen bei der Produktion, sind dafür langlebig, nicht brennbar und vielseitig einsetzbar.


Ob Mineralwolle nachhaltig ist, hängt deshalb stark von der Anwendung und dem konkreten Produkt ab. Bei hohen Brandschutzanforderungen kann sie eine sehr sinnvolle Lösung sein. Aus Sicht der Kreislaufwirtschaft ist vor allem problematisch, dass verklebte oder verunreinigte Dämmstoffe nach dem Rückbau nur schwer hochwertig verwertet werden können.


Ist Steinwolle nachhaltig?

Steinwolle besteht überwiegend aus mineralischen Rohstoffen wie Basalt, Diabas, Dolomit oder Kalkstein. Hinzu kommen Bindemittel und je nach Produkt weitere Zusatzstoffe. Die Herstellung erfolgt bei hohen Temperaturen und benötigt entsprechend Energie.


Fassadendämmung aus Steinwolle nachhaltig?

Für Steinwolle sprechen die lange Nutzungsdauer, der sehr gute Brand- und Schallschutz sowie die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Das Material ist formstabil und kann bei fachgerechtem Einbau jahrzehntelang funktionieren.


Steinwolle ist grundsätzlich recycelbar. In der Praxis müssen die Abfälle dafür jedoch möglichst sauber und sortenrein erfasst werden. Für Verschnitte und teilweise auch für ausgebaute Steinwolle bieten einzelne Hersteller Rücknahmesysteme an. Bei verklebten Wärmedämmverbundsystemen ist eine Trennung dagegen schwierig.


Bei der Verarbeitung können Fasern und Staub Haut, Augen und Atemwege reizen. Handschuhe, Schutzbrille, geeignete Arbeitskleidung und bei staubintensiven Arbeiten Atemschutz sind deshalb sinnvoll. Für alte Mineralwolle aus Gebäuden gelten besondere Regeln: Vor allem Materialien, die vor dem Jahr 2000 eingebaut wurden, können anders eingestuft sein als heutige Mineralwolle.


Kurzfazit: Steinwolle kann insbesondere dort nachhaltig sinnvoll sein, wo Nichtbrennbarkeit, Schallschutz und Langlebigkeit wichtig sind. Ihre Rohstoffgewinnung, der Energiebedarf der Herstellung und die oft schwierige Verwertung nach dem Rückbau sprechen aber gegen eine pauschale Einstufung als ökologischer Dämmstoff.


Welche Alternative gibt es zu Steinwolle?

Die passende Steinwolle-Alternative richtet sich nach dem Einsatzbereich:

  • Für die Zwischensparren- oder Holzrahmendämmung kommen Zellulose, Holzfaser, Hanf oder Flachs infrage.

  • Für eine ökologische Fassadendämmung sind zugelassene Holzfaser-WDVS oder hinterlüftete Konstruktionen mit Holzfaserdämmung mögliche Alternativen.

  • Wenn ein nicht brennbarer Dämmstoff benötigt wird, sind Glaswolle, Schaumglas, Mineralschaum oder Calciumsilikat je nach Bauteil mögliche Lösungen.

  • Im feuchten und druckbelasteten Perimeterbereich kommen unter anderem Schaumglasprodukte infrage.


Ein direkter Austausch ist nicht immer möglich. Brandschutz, Feuchtebelastung, verfügbare Dämmstärke und die Zulassung des gesamten Bauteilaufbaus müssen berücksichtigt werden.


Zählt Glaswolle zu den nachhaltigen Dämmstoffen?

Glaswolle wird hauptsächlich aus Glasrohstoffen hergestellt und kann einen hohen Anteil Altglas enthalten. Sie ist leicht, nicht brennbar und erreicht eine gute Dämmwirkung. Wegen ihrer geringen Rohdichte ist ein Vergleich der Herstellungsenergie pro Kilogramm mit schweren Dämmstoffen wenig aussagekräftig.

Mineralwolle & Nachhaltigkeit

Wie bei Steinwolle hängt die Umweltbilanz vom konkreten Produkt, dem eingesetzten Recyclingglas, der Energieversorgung des Werks und der späteren Verwertung ab. Saubere Produktions- und Baustellenreste lassen sich eher zurückführen als verschmutzte oder verklebte Materialien aus dem Gebäuderückbau.


Auch moderne Glaswolle kann bei der Verarbeitung mechanisch reizen. Die notwendigen Schutzmaßnahmen solltest du daher unabhängig von ihrer gesundheitlichen Einstufung beachten.


Kurzfazit: Glaswolle ist nicht automatisch ein ökologischer Dämmstoff, kann wegen ihrer Langlebigkeit, guten Dämmwirkung und Nichtbrennbarkeit aber eine technisch und ökologisch vertretbare Lösung sein.


Welche Alternative gibt es zu Glaswolle?

Für Dachschrägen, Holzrahmenwände und Geschossdecken sind Zellulose, Holzfaser, Hanf, Flachs oder Jute mögliche Alternativen zu Glaswolle. Die Materialien unterscheiden sich jedoch bei Preis, Brandschutz, sommerlichem Wärmeschutz, Feuchteverhalten und erforderlicher Dämmstärke.


Soll die Alternative ebenfalls nicht brennbar sein, ist häufig Steinwolle die naheliegendste Lösung. Für spezielle Anwendungen können auch Mineralschaum, Calciumsilikat, Perlit oder Schaumglas geeignet sein.


Wie nachhaltig sind synthetische Dämmstoffe?

Synthetische Dämmstoffe wie EPS, XPS und PUR beziehungsweise PIR werden überwiegend aus fossilen Rohstoffen hergestellt. Ihre Produktion, mögliche Flammschutzmittel und die begrenzte Kreislauffähigkeit sind ökologische Nachteile. Daraus folgt aber nicht, dass ihr Einsatz grundsätzlich falsch ist.


Synthetische Dämmstoffe erreichen eine gute Dämmwirkung bei vergleichsweise geringer Dicke. XPS und bestimmte PUR- oder PIR-Produkte sind außerdem druckfest und feuchtebeständig. In Bauteilen mit wenig Platz oder hoher Wasser- und Druckbelastung können sie dadurch technisch sinnvoller und langlebiger sein als ein ungeeignetes Naturmaterial.


Für die Nachhaltigkeit ist entscheidend, synthetische Dämmstoffe nur dort einzusetzen, wo ihre besonderen Eigenschaften benötigt werden, und möglichst lösbare Befestigungen sowie Rücknahmesysteme einzuplanen.


EPS-Dämmung und Nachhaltigkeit

EPS steht für expandiertes Polystyrol und ist vor allem unter dem Markennamen Styropor bekannt. Das Material besteht größtenteils aus eingeschlossener Luft und einer vergleichsweise kleinen Menge Polystyrol. Es dämmt gut, ist leicht und wird häufig in Wärmedämmverbundsystemen, unter Estrich oder bei der Dämmung von Kellerdecken eingesetzt.

EPS Dämmung & Nachhaltigkeit

Ökologisch nachteilig sind die fossile Rohstoffbasis und die schwierige Verwertung verschmutzter oder verklebter Platten. Saubere, HBCD-freie EPS-Reste können mechanisch aufbereitet und beispielsweise zu Rezyklatplatten, Granulat oder Leichtzuschlägen verarbeitet werden. EPS aus dem Gebäuderückbau wird bislang jedoch überwiegend nicht recycelt, sondern thermisch verwertet. Bei älteren Dämmplatten kann außerdem das inzwischen verbotene Flammschutzmittel HBCD relevant sein.


Kurzfazit: EPS ist kein Naturdämmstoff. Wegen seiner guten Dämmwirkung, des geringen Materialgewichts und der langen Nutzungsdauer kann es dennoch eine vertretbare Lösung sein. Besonders ungünstig für die spätere Verwertung sind fest verklebte Verbundsysteme.


Wie nachhaltig ist eine XPS-Dämmung?

Ist XPS nachhaltig?

XPS steht für extrudierten Polystyrol-Hartschaum. Das Material wird vor allem dort eingesetzt, wo Dämmstoffe Feuchtigkeit und Druck aushalten müssen: unter Bodenplatten, an Kelleraußenwänden, im Sockelbereich oder im Umkehrdach.


Wie EPS basiert XPS überwiegend auf fossilen Rohstoffen. Ältere Platten können problematische Flammschutz- oder Treibmittel enthalten. Für saubere Baustellenverschnitte moderner XPS-Platten existieren inzwischen Sammel- und Rücknahmesysteme. Dämmstoffe aus dem Rückbau werden wegen Verschmutzungen und möglicher Altlasten allerdings in der Regel nicht stofflich recycelt.


Kurzfazit: Wo dauerhaft hohe Feuchte- und Druckbelastungen auftreten, kann die lange Lebensdauer von XPS den Einsatz rechtfertigen. Eine universell nachhaltige Dämmung ist XPS jedoch nicht.


Welche Alternativen gibt es zu XPS-Platten?

Unter Bodenplatten und bei anderen erdberührten Bauteilen ist Schaumglasschotter eine bekannte Alternative zu XPS. Auch druckfeste Schaumglasplatten können je nach Konstruktion infrage kommen. Die Produkte werden zu einem großen Teil aus Altglas hergestellt, benötigen beim Aufschäumen aber hohe Temperaturen.


Ein Austausch ist nicht allein anhand der Wärmeleitfähigkeit möglich. Bei Schaumglasschotter müssen beispielsweise Tragfähigkeit, kapillarbrechende Wirkung, erforderliche Schichtdicke und die gesamte Gründung gemeinsam geplant werden.


Ökologische Dämmstoffe im Vergleich

Ökologische Dämmstoffe bestehen überwiegend aus nachwachsenden oder recycelten Rohstoffen. Sie können bei der Herstellung und beim Klimaschutz Vorteile haben. Trotzdem müssen auch Flächenbedarf, Transportwege, Zusatzstoffe, Brandschutz und die spätere Verwertung berücksichtigt werden.


Holzfaserdämmung und Nachhaltigkeit

Holzfaserdämmstoffe werden häufig aus Restholz der Sägeindustrie hergestellt. Erhältlich sind flexible Matten, druckfeste Platten und Einblasdämmstoffe. Sie eignen sich unter anderem für Dächer, Holzrahmenwände, Fassaden und Geschossdecken.


Nachhaltige Holzfaserdämmung einer Innenwand

Neben der Wärmedämmung bieten Holzfaserplatten eine hohe Wärmespeicherfähigkeit. Das kann den sommerlichen Hitzeschutz unterstützen. Entscheidend für die Umweltbilanz sind die Herkunft des Holzes, das Herstellungsverfahren, die Rohdichte und mögliche Bindemittel oder Hydrophobierungsmittel.


Eine Wiederverwendung oder ein hochwertiges Recycling ist nur möglich, wenn die Platten trocken, sauber und möglichst unbeschädigt ausgebaut werden. Verklebte oder verputzte Platten werden heute meist nicht stofflich recycelt, sondern energetisch verwertet.

Wie nachhaltig ist eine Korkdämmung?

Kork wird aus der Rinde der Korkeiche gewonnen. Der Baum muss dafür nicht gefällt werden, weil sich die Rinde nach der Ernte neu bildet. Kork ist druckbelastbar, feuchtebeständig, verrottungsfest und wärme- sowie schalldämmend.


Das Material kann als Platte oder Granulat im Dach, an Wänden, in Fußböden und beim Trittschallschutz verwendet werden. Nachteile sind der vergleichsweise hohe Preis, begrenzte Mengen und häufig längere Transportwege aus den Anbaugebieten. Bei expandiertem Kork werden die Korkpartikel durch Wärme miteinander verbunden; andere Produkte können zusätzliche Bindemittel enthalten.


Zellulose-Dämmung und Nachhaltigkeit

Nachhaltige Zellulose Dämmung

Zellulosedämmung besteht überwiegend aus aufbereitetem Altpapier. Sie wird meist als lose Flocke in Dachschrägen, Holzrahmenwände oder Geschossdecken eingeblasen. Dadurch lassen sich auch unregelmäßige Hohlräume fugenarm ausfüllen.


Für Brand- und Schimmelschutz werden Zusatzstoffe eingesetzt. Zusammensetzung und Zulassung solltest du deshalb anhand des konkreten Produkts prüfen. Fachgerecht eingebaute Zellulose kann bei trockenem, sortenreinem Ausbau abgesaugt und erneut eingesetzt oder aufbereitet werden. Die Wiederverwendung ist technisch möglich, findet aber noch nicht flächendeckend statt.


Sind Flachs-Dämmstoffe nachhaltig?

Flachs ist ein nachwachsender Rohstoff. Für Dämmstoffe werden Fasern zu Matten, Vliesen oder Stopfwolle verarbeitet. Flachsdämmung eignet sich vor allem für Dächer, Holzrahmenkonstruktionen, Fachwerk und den Innenausbau.


Das Material kann Feuchtigkeit puffern und lässt sich vergleichsweise angenehm verarbeiten. Je nach Produkt kommen Stützfasern, Bindemittel sowie Mittel für Brand- oder Schädlingsschutz hinzu. Deshalb sollte nicht pauschal von einem vollständig natürlichen oder kompostierbaren Produkt ausgegangen werden.

Hanf-Dämmstoffe und Nachhaltigkeit

Hanfdämmung mit Thermo Hanf Combi Jute

Hanf wächst schnell und benötigt im Anbau vergleichsweise wenig Pflanzenschutz. Für Dämmmatten werden Hanffasern häufig mit Stützfasern und Brandschutzmitteln kombiniert. Daneben gibt es lose Hanffasern und Schüttungen.


Hanf eignet sich zur Zwischen- und Untersparrendämmung, für Holzrahmenwände, Decken und den Innenausbau. Wie gut eine Wiederverwendung oder Verwertung möglich ist, hängt von der Produktzusammensetzung und der Einbauweise ab.


Sind Dämmstoffe aus Jute nachhaltig?

Jutedämmstoffe können aus neuen Fasern oder aus wiederverwendeten Juteprodukten wie Transport- und Kakaosäcken hergestellt werden. Damit lässt sich ein vorhandener Rohstoff ein weiteres Mal nutzen. Jute wird unter anderem für Dach, Wand und Geschossdecken angeboten.

Thermojute eignet sich gut als nachhaltige Dämmung der Zwischendecke

Ob ein konkreter Dämmstoff recycelbar oder kompostierbar ist, hängt nicht nur von der Jutefaser ab. Stützfasern, Bindemittel, Brandschutz- und Schädlingsschutzmittel müssen ebenfalls berücksichtigt werden. Die Aussage, Jutedämmplatten seien grundsätzlich vollständig kompostierbar, wäre daher zu pauschal.


Schafwolle-Dämmstoffe und Nachhaltigkeit

Schafwolle kann viel Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben, ohne sofort ihre Dämmwirkung zu verlieren. Sie wird als Matte, Filz, Stopfwolle oder Dichtungszopf angeboten und eignet sich vor allem für Dach, Wand, Decke und Installationszwischenräume.


Für eine dauerhafte Verwendung muss Schafwolle wirksam gegen Motten und andere Schädlinge geschützt werden. Die Nachhaltigkeit hängt daher von der Herkunft der Wolle, der Tierhaltung, der Reinigung, dem Transport und dem eingesetzten Mottenschutz ab. Schafwolle ist folglich nicht automatisch nachhaltiger als jeder andere Dämmstoff.


Ist Schaumglasschotter ein nachhaltiger Dämmstoff?

Schaumglasschotter, auch Glasschaumschotter genannt, wird überwiegend aus aufbereitetem Altglas hergestellt. Das Glas wird gemahlen, mit einem Treibmittel aufgeschäumt und anschließend gebrochen. Das Verfahren benötigt wegen der hohen Temperaturen vergleichsweise viel Energie.


Das Material ist druckfest, frostbeständig, kapillarbrechend und verrottet nicht. Deshalb kommt es hauptsächlich als lastabtragende Dämm- und Drainageschicht unter Bodenplatten oder in anderen erdberührten Bereichen zum Einsatz.


Schaumglasschotter und Schaumglasplatten dürfen nicht gleichgesetzt werden. Schaumglasschotter benötigt wegen seiner höheren Wärmeleitfähigkeit normalerweise deutlich größere Schichtdicken als eine Schaumglasplatte oder XPS. Dafür kann er mehrere Funktionen wie Dämmung, Frostschutz, kapillarbrechende Schicht und teilweise den Ersatz anderer Tragschichten verbinden.


Kurzfazit: Schaumglasschotter kann eine nachhaltige Alternative zu konventionellen Konstruktionen unter der Bodenplatte sein. Entscheidend ist jedoch der Vergleich des vollständigen Bodenaufbaus und nicht nur der Dämmstoffe pro Kilogramm.


Welche Dämmstoffe sind recycelbar?

Nahezu alle Dämmstoffgruppen lassen sich unter idealen Bedingungen wiederverwenden oder zumindest technisch verwerten. In der Baupraxis sind saubere und sortenreine Rückbaumaterialien jedoch selten. Entscheidend ist daher die tatsächliche Kreislauffähigkeit des eingebauten Systems.

Einbausituation

Aussicht auf Wiederverwendung oder Recycling

Lose Schüttung oder sortenrein abgesaugter Einblasdämmstoff

vergleichsweise gut, wenn trocken und frei von Fremdstoffen

Lose verlegte oder verschraubte Dämmplatten

grundsätzlich ausbaubar; Wiederverwendung hängt vom Zustand ab

Saubere Baustellenverschnitte

für mehrere Materialien bestehen Hersteller- oder Branchensysteme

Geklammerte Matten

zerstörungsfreier Ausbau häufig aufwendig

Verklebte und verputzte Dämmplatten im WDVS

Trennung und hochwertiges Recycling meist schwierig

Alte Dämmstoffe mit heute verbotenen Inhaltsstoffen

getrennte Erfassung und besondere Entsorgung erforderlich

Wer heute nachhaltig dämmen möchte, sollte deshalb nicht nur nach einem recycelbaren Material fragen. Mindestens genauso wichtig sind lösbare Verbindungen, eine dokumentierte Produktzusammensetzung und ein Aufbau, der einen trockenen, sortenreinen Rückbau ermöglicht.


Welcher Dämmstoff ist der ökologischste?

Einen Dämmstoff, der in jeder Anwendung am ökologischsten ist, gibt es nicht. Für trockene Hohlräume in Dach und Holzrahmenbau gehören Zellulose, Holzfaser, Hanf und Flachs häufig zu den interessantesten Lösungen. Sie basieren auf nachwachsenden oder recycelten Rohstoffen und können bei geeigneter Herkunft eine gute Klimabilanz erreichen.


Bei hohen Brandschutzanforderungen kann Mineralwolle die bessere Wahl sein. Im erdberührten und druckbelasteten Bereich sind Schaumglas oder XPS oft dauerhafter und technisch sicherer als feuchteempfindliche Naturdämmstoffe.


In vielen Fällen ist außerdem der Erhalt einer funktionierenden Bestandsdämmung nachhaltiger als ihr Austausch gegen einen vermeintlich ökologischeren Dämmstoff. Die Umweltbelastung des neuen Materials entsteht sofort, während der ökologische Vorteil eines Austauschs häufig gering bleibt.


Welche ökologischen Dämmstoffe eignen sich als nachhaltige Fassadendämmung?

Für die ökologische Fassadendämmung kommen insbesondere Holzfaserdämmplatten infrage. Sie können Bestandteil eines zugelassenen Wärmedämmverbundsystems oder einer hinterlüfteten Fassade sein. Je nach Konstruktion lassen sich auch Zellulose, Hanf, Kork oder andere Naturdämmstoffe in der Dämmebene einsetzen.


Die Auswahl hängt von Schlagregenschutz, Brandschutz, Untergrund, gewünschter Dämmstärke und Fassadenaufbau ab. Gerade bei einem WDVS sollte nicht nur die Dämmplatte betrachtet werden. Kleber, Dübel, Armierung, Putz und Anstrich gehören ebenfalls zum System und beeinflussen Haltbarkeit und Rückbaubarkeit.


Wenn Nichtbrennbarkeit im Vordergrund steht, bleibt Steinwolle eine wichtige Alternative. Sie ist kein Naturdämmstoff, kann aber wegen ihres Brandschutzes und ihrer langen Nutzungsdauer für das konkrete Gebäude die sinnvollere Lösung sein.


Eignen sich ökologische Dämmstoffe auch für das Dach?

Für die Dachdämmung gibt es besonders viele ökologische Möglichkeiten. Zellulose eignet sich gut für eine Einblasdämmung zwischen Sparren oder in geschlossenen Hohlräumen. Flexible Holzfaser-, Hanf-, Flachs- oder Jutematten lassen sich ebenfalls zwischen den Sparren verlegen. Druckfeste Holzfaserplatten werden häufig für die Aufsparrendämmung genutzt.


Naturdämmstoffe bieten häufig einen guten sommerlichen Wärmeschutz, weil sie Wärme speichern und den Wärmeeintrag zeitlich verzögern können. Die Wirkung hängt aber vom gesamten Dachaufbau, der Masse aller Schichten, Verschattung, Luftdichtheit und nächtlicher Lüftung ab.


Besonders wichtig ist ein funktionierender Feuchteschutz. Fehler an Luftdichtheit, Dampfbremse oder Dachabdichtung können jeden Dämmstoff schädigen. Bei erhöhten Brandschutzanforderungen sind Glas- oder Steinwolle häufig die einfachere Lösung.


Ist eine ökologische Dämmung der Kellerdecke möglich?

Auch Kellerdecken lassen sich mit ökologischen Dämmstoffen dämmen. Je nach Feuchte, Untergrund und Brandschutz können beispielsweise Holzfaser-, Holzwolle- oder geeignete Naturfaserplatten verwendet werden.


In einem trockenen Keller sind Naturdämmstoffe eher möglich als in dauerhaft feuchten Räumen. Bei unebenen Decken, Leitungen oder geringen Raumhöhen können konventionelle Dämmplatten einfacher zu montieren sein und bei gleicher Dämmwirkung weniger Aufbauhöhe benötigen.


Entscheidend ist, dass das gewählte Produkt ausdrücklich für die Kellerdeckendämmung geeignet ist. Materialeigenschaften allein ersetzen keine Prüfung des gesamten Aufbaus.


Wie lässt sich die oberste Geschossdecke nachhaltig dämmen?

Die oberste Geschossdecke gehört zu den Bauteilen, die sich häufig vergleichsweise einfach dämmen lassen. Zwischen Holzbalken können Zellulose eingeblasen oder Matten aus Holzfaser, Hanf, Flachs beziehungsweise Jute verlegt werden. Auf einer massiven Decke sind druckfeste Holzfaserplatten oder andere begehbare beziehungsweise mit einer begehbaren Abdeckung kombinierbare Systeme möglich.


Wenn der Dachboden nicht genutzt wird, kann eine offen verlegte Dämmung genügen. Soll er begehbar bleiben, ist ein dafür geeigneter Aufbau erforderlich. Laufwege oder Platten dürfen weiche Dämmstoffe nicht unkontrolliert zusammendrücken, weil dadurch die Dämmwirkung sinkt.


Zweischichtige und versetzt verlegte Platten reduzieren Fugen. Anschlüsse, Bodentreppen und Durchdringungen müssen ebenfalls gedämmt und luftdicht ausgeführt werden.


Ökologische Dämmung unter der Bodenplatte und an Kelleraußenwänden

Unter Bodenplatten und an Kelleraußenwänden muss der Dämmstoff je nach Einbausituation druckfest, feuchtebeständig, verrottungsfest und frostbeständig sein. Klassische Naturfaserdämmstoffe sind dafür in der Regel nicht geeignet.


Weitere Ansätze findest du in unserem Beitrag über ein nachhaltigeres Fundament.

Eine mögliche Alternative zur XPS-Dämmung ist Schaumglasschotter. Er kann unter der Bodenplatte gleichzeitig als Dämmung, kapillarbrechende Schicht und Bestandteil des tragfähigen Unterbaus dienen. Daneben gibt es druckfeste Schaumglasplatten für erdberührte Bauteile.


Ob Schaumglas oder XPS ökologisch günstiger ist, lässt sich nur anhand des vollständigen Aufbaus beurteilen. Bei Schaumglasschotter sind meist größere Schichtdicken nötig; dafür können andere Schichten entfallen. Diese Planung gehört in die Hände eines Fachplaners beziehungsweise Tragwerksplaners.


Fazit: Nachhaltig dämmen bedeutet, das gesamte Bauteil zu betrachten

Holzfaser, Zellulose, Hanf und andere Naturdämmstoffe sind für viele trockene Bauteile eine gute Wahl. Mineralwolle bietet Vorteile bei Brand- und Schallschutz. EPS und XPS haben ökologische Schwächen, erfüllen aber mit geringer Dämmstärke beziehungsweise hoher Feuchte- und Druckbeständigkeit wichtige technische Aufgaben. Schaumglas kann insbesondere im erdberührten Bereich eine interessante Alternative sein.


Entscheidend ist am Ende nicht das grünste Image eines Materials. Nachhaltig ist eine Dämmung dann, wenn sie zum Bauteil passt, lange funktioniert, möglichst wenig problematische Zusatzstoffe enthält und später sauber getrennt werden kann.


Quellen und weiterführende Informationen



2 Kommentare


Gast
16. Mai 2024

Sand ist entgegen der Darstellung hier ein sehr knappes Gut (man siehe hierzu z.B. im Spiegel zu der Warnung der UNO https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/warnung-der-uno-der-sand-wird-knapp-a-1266104.html). Das Glaswolle ein nachhaltiger Dämmstoff sein soll, ist daher stark zu bezweifeln. Im Gegenteil birgt er ein starkes Risiko im Biodiversitätsbereich, denn der Sandbau zerstört insb. Küstenökosysteme. Gleiches gilt für Steinwolle, bei deren Herstellung Zement benötigt wird. Von wegen nachhaltig: Zement ist der Emissionstreiber schlechthin. Die Zementindustrie macht alleine schon 2% der deutschen Treibhausgasemissionen aus (siehe: https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF_Klimaschutz_in_der_Beton-_und_Zementindustrie_WEB.pdf). Schade, dass so viele falsche Darstellungen, sich in diesen Artikel zu so einem wichtigen Thema eingeschlichen haben.

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Benjamin Fritz
Benjamin Fritz
09. Juni 2024
Antwort an

Vielen Dank für deinen Kommentar! Wir sind absolut bei dir, die Betrachtung der Ressourcen am bei der Bewertung der beiden mineralischen Dämmstoff-Varianten zu kurz. Wir haben den Artikel angepasst und darauf hingewiesen. Danke nochmal!

Bearbeitet
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