Warum Gaspreise künftig steigen werden
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Warum Gaspreise künftig steigen: CO₂-Kosten durch ETS 2, Grüngasquote, steigende Netzentgelte und geopolitische Risiken treiben die Heizkosten nach oben. Unsere Analyse für Hausbesitzer, die noch unentschlossen sind, mit was sie künftig heizen sollen.
Viele Eigentümer fragen sich aktuell: Wenn das Heizungsgesetz reformiert wurde und Gasheizungen weiter erlaubt bleiben – wird Gas damit wieder attraktiv?
Unsere Einschätzung: Nein.
Die strukturellen Kostentreiber sprechen klar für steigende Gaspreise in den kommenden Jahren. Und zwar aus vier Gründen.
a) Steigende CO₂-Kosten durch ETS 2
Der größte Preistreiber ist politisch gesetzt: der CO₂-Preis.
Bis 2027 gilt in Deutschland noch ein staatlich festgelegter CO₂-Preis. Ab 2028 greift jedoch der neue europäische Emissionshandel ETS 2. Dann wird der CO₂-Preis am Markt gebildet – bei gleichzeitig künstlich verknapptem Zertifikate-Angebot.
Das bedeutet: Je knapper die Zertifikate, desto höher der Preis – und desto teurer fossiles Heizen.
Prognosen gehen für 2030 von 150 bis 300 € pro Tonne CO₂ aus. Für einen Haushalt mit 20.000 kWh Gasverbrauch kann das über 10 Jahre 4.000 bis 8.000 € zusätzliche CO₂-Kosten bedeuten – je nach Szenario.
Die vollständigen Berechnungen inklusive Tabellen und 10-Jahres-Szenarien findest du hier:👉 CO₂-Preisentwicklung und langfristige Auswirkungen auf die Heizkosten
Wichtig: Diese Entwicklung ist politisch gewollt – unabhängig davon, welche Partei regiert. Der CO₂-Preis ist das zentrale Steuerungsinstrument der Wärmewende.
b) Grüngasquote verteuert Gas zusätzlich
Mit der Reform des Gebäudeenergiegesetzes wird die 65-Prozent-Regel abgeschafft – stattdessen kommt eine Grüngasquote.
Ab 2029 müssen neue Gas- und Ölheizungen mindestens 10 % klimafreundliche Brennstoffe nutzen, später mehr. Zusätzlich startet 2028 eine Lieferantenquote.
Klingt nach Entlastung? In der Praxis eher nicht.
Das Problem: Biomethan und grüner Wasserstoff sind knapp.
Zum Vergleich:
Erdgasverbrauch Haushalte 2024: 245 TWh
Verfügbares Biomethan: ca. 10 TWh
Selbst optimistische Szenarien sehen bis 2030 maximal 50–100 TWh Potenzial.
Mehr Nachfrage bei begrenztem Angebot führt zu höheren Preisen.
Experten erwarten daher: Die Grüngasquote macht Gas nicht günstiger, sondern beschleunigt langfristig sogar den Kostendruck.
Und: Biomethan ist laut einer Analyse des Vergleichsportals Verivox bereits heute 25 Prozent teurer als herkömmliches Erdgas - und kostet durchschnittlich rund 12,4 Cent pro Kilowattstunde.
c) Steigende Netzentgelte im schrumpfenden Gasnetz
Ein oft übersehener Faktor sind die Gasnetzentgelte.
Wenn immer mehr Haushalte auf Wärmepumpen umsteigen, sinkt die Zahl der Gasanschlüsse. Das Gasnetz muss jedoch weiterhin gewartet, instand gehalten und teilweise rückgebaut werden.
Weniger Kunden tragen dann dieselben Fixkosten.
Das Ergebnis: Die Netzentgelte pro Anschluss steigen.
Ökonomisch ist das ein klassischer Schrumpfungsprozess: Je kleiner das System, desto höher die Stückkosten.
d) Geopolitische Unsicherheiten
Gaspreise reagieren stark auf geopolitische Entwicklungen.
Der Ukrainekrieg hat gezeigt, wie schnell sich Gaspreise vervielfachen können. LNG-Importe, geopolitische Spannungen oder Lieferengpässe bleiben Risikofaktoren.
Gas bleibt ein global gehandelter Rohstoff – und damit volatil.
Wärmepumpen hingegen basieren überwiegend auf Strom aus einem zunehmend heimischen und erneuerbaren Energiemix. Das reduziert das Preisrisiko deutlich.
Fazit: Vier strukturelle Kostentreiber sorgen dafür, dass Gaspreise künftig steigen
Gaspreise steigen künftig nicht wegen einer einzelnen politischen Entscheidung, sondern wegen struktureller Faktoren:
CO₂-Kosten durch ETS 2
Grüngasquote mit begrenztem Angebot
Steigende Netzentgelte im schrumpfenden Gasnetz
Geopolitische Unsicherheiten
Selbst wenn Gasheizungen weiterhin eingebaut werden dürfen, heißt das nicht, dass sie wirtschaftlich sinnvoll bleiben.
Die zentrale Frage lautet daher nicht: „Darf ich noch eine Gasheizung einbauen?“
Sondern: „Wie hoch ist mein Preisrisiko in den nächsten 10 bis 20 Jahren?“
Unsere Berechnungen zeigen: Langfristig verschiebt sich die Wirtschaftlichkeit klar zugunsten erneuerbarer Systeme.
Die Zukunft im Heizungskeller ist nicht politisch entschieden – sie ist ökonomisch entschieden.















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